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Randnotiz: Große Erwartungen
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Randnotiz: Große Erwartungen

by ollibaba21. Mai 2015

Das hab ich mir anders vorgestellt!

Der dritte Witcher ist kaum draußen und schon rumort es im Internet…
„Es sieht nicht so aus wie in den ersten Gameplay-Trailern“, „Es ist viel zu bunt“, „Die Haare sehen doof aus“ und so weiter und weiter… Bedeutet das etwa, dass „The Witcher 3 Wild Hunt“ schlecht aussieht? Nein, im Gegenteil, es ist ein technisch sehr gutes Spiel, überdurchschnittlich gut, mit einer großen, belebten Spielwelt. Einer gigantisch großen um genau zu sein. Ich glaube zwar auch einige Details zu erkennen, die nicht ganz auf dem Niveau der damaligen GamesCom-Präsentation sind (wie die Federn des Greifs), was aber an der optischen Qualität des fertigen Spiel nichts ändert. Ich bewerte Optik und Präsentation so wie sie sind, nicht wie sie hätten sein könnten oder wie ich sie mir nach besagten Demos vorgestellt habe. Die Live-Demonstration damals in Köln basierte ja auf einer unfertigen Version und sollte nur einen plastischen Ersteindruck vermitteln, keine Versprechungen machen. Trotzdem wuchs im Kopf des Zuschauers eine Erwartung, das Gezeigte sei das Mindeste, was man erwarten dürfe.

Große Erwartungen - Buch

Diese Erwartungshaltung wird nur zu gerne von Publishern und Entwicklern geschürt, besonders mit digital gebügelten Screenshots und bearbeiteten Trailern, schlägt aber bei einer weniger bombastischen Realität schnell ins Gegenteil um. In Ärger und Frust beim Käufer. Wenn man beispielsweise beim damaligen „Alien Colonial Marines“ ganze Gameplay-Elemente vorgelogen bekam, die im fertigen Game überhaupt nicht vorhanden waren, dann fühlt man sich als Käufer zu recht verarscht. Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen einer enttäuschten, eigenen Erwartung und einer dreisten PR-Lüge. Die Diskussion, die gerade um angebliche „Grafik-Downgrades“ des Hexers stattfindet, ist da ein gutes Beispiel.

Grafik-Downgrades und Farbfilter

Alles was wir als Öffentlichkeit bisher gesehen haben, waren ja schließlich unfertige Ausschnitte eines Spiels, das noch entwickelt wurde – da sind gewisse Unterschiede und Abstriche doch irgendwie logisch, oder? Entwickler wollen das Maximum rausholen, arbeiten auf Maximum, zeigen uns dieses Maximum und stellen dann meist enttäuscht fest, dass dieses Maximum in der Praxis zu hochgestochen war. Dann muss man zurückrudern. Aber ist das dann gelogen? In ersten Filmtrailern kommen oft Szenen vor, die im fertigen Film gar nicht mehr drin sind – wurde man arglistig getäuscht? Oder unterliegen solche Änderungen noch der künstlerischen Freiheit der Macher? Dass „The Witcher 3“ beispielsweise deutlich farbenfroher ausgefallen ist, als es erstes Bildmaterial vermuten ließ ist doch das gute Recht der Macher und kein Grund sich als Käufer veräppelt zu fühlen. Sind solche Unterschiede zwischen Previews und Verkaufsversion also eine Vortäuschung falscher Tatsachen? Nicht wirklich, denke ich. Dafür sieht der Hexer in der finalen Version technisch viel zu gut aus. So gut sogar, dass man öfters mal „Wow, cool“ denkt. Zumindest auf Konsole, PC-Spieler maulen ja eh gerne und laut. Klar, wäre es ein Computer-exklusiver Titel, würde „The Witcher 3“ garantiert besser aussehen, wäre aber auch deutlich kleiner und weniger aufwändig geraten, denn ein derartiges Budget steckt niemand mehr in einen reinen PC-Titel. Auf den Konsolen wird das Geld verdient, daran ist die selbsternannte Tastatur-Herrenrasse aber leider selber schuld. Unter Anderem hat das jahrelange Raubkopieren den dortigen Markt bis heute beschädigt. Also, lieber mal froh sein, dass es überhaupt für den Heimcomputer erscheint! Für PC’ler, die sich besonders an der farbenfrohen Witcher-Optik stören, gibt sogar runterladbare Filter, die dem bunten Treiben im Spiel einen Dämpfer verpassen… wow. Einfach wow.
Aber naja, jedem das seine.

Tut! Tut! Hier kommt der Hype!

Die Bilder und Ausschnitte eines neuen Titels sollen uns ja schließlich neugierig und geil machen und den Hype-Train ins Rollen bringen, es geht ja schließlich um Millionen! Bei Mäckes sehen die Burger ja auch in der Werbung deutlich appetitlicher aus, als die plattgedrückten, verschwitzten Pappdeckel, die man tatsächlich bekommt. Wollen wir nicht sogar belogen werden? Wer weiß, ich denke, solange es nicht dreist übertrieben wird, man seinen gesunden Menschenverstand bewahrt und die internetzielle Aufregungs-Maschinerie nicht zu sehr strapaziert ist alles in Ordnung. Die Kirche sollte im Dorf bleiben!

Oder wäre eine Mäßigung der Spielebranche besser? Wie könnte sie in Zukunft sowohl die Neugier auf Bildmaterial als auch eine nicht zu überschwängliche Erwartungshaltung bedienen? Vielleicht so:

Witcher 3THE WITCHER 3 – DEMNÄCHST IM HANDEL!

Der dritte Witcher ist grafisch knorke. Es mag nicht jeden Grafikfetischisten aus den Latschen hauen, mag aufgrund der mittlerweile bekannten Nextgen-Spielereien das Technikrad nicht neu erfinden, ist aber bei weitem kein Kompromiss, der PC-Spielern wegen gurkiger Konsolen ein reduziertes Erlebnis vorsetzt. Man möge Previews, frühe Screenshots und erste Spielszenen als das verstehen was sie sind – Werbung. Ein „Das ist unser Ziel“ der Entwickler, kein „So wird es garantiert aussehen“. Dann wird alles gut. Die Erde dreht sich weiter. Einfach weniger „Hätte, Könnte, Sollte“, das bringt eh nix.

So, genug gelabert.
Spielen Sie weiter!
Ollibaba 😉

About The Author
ollibaba
Nerd der ersten Gaming-Stunde, angefangen bei Gameboy und NES habe ich so gut wie jede Konsole einmal besessen. Und BEsessen bin ich folglich auch von Videospielen, alt UND neu! Ich mag: Jump'n'Runs, Shooter und Spaziergänge am Strand - Ich mag nicht: Quicktime-Events, blöd verteilte Rücksetzpunkte und Krieg (Call of Duty ausgenommen). Also, Abrocken und loszocken! ;)

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