RETRO-TestLabor: SAMBA DE AMIGO (Dreamcast)

Schwingeling!

Die gute Dreamcast hatte viele einzigartige Spielecontroller; Joysticks, Lenkräder, Pistolen, Angeln… und Maracas!

SAMBA!

Bevor Nintendo’s Wii den sogenannten Casual-Spielemarkt eroberte, gab es immer mal wieder Videogames, die keine lange Einarbeitungszeit benötigten. Spiele, bei denen man einfach drauf loszocken konnte und sofort Spaß hatte, egal ob man passionierter Zocker war oder nicht. Freundin, Tante, Oma? Jeder kann sofort loslegen. Eines der besten Spiele dieser Art ist ganz eindeutig Samba De Amigo!

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Entwickelt von Sega’s hauseigenem Sonic Team, ist Samba De Amigo ein Rhythmus-Spiel. Man wählt einen Song aus und fuchtelt nun zu albernen Coverversionen bekannter Songs drauf los. Dabei erscheint auf dem Bildschirm eine Gruppe von Kreisen: drei links und drei rechts. Aus der Mitte fliegen nun blaue Kugeln in die farblich sortierten Kreise und wollen von uns, dass wie die Rassel in die entsprechende Höhe bringen und diese schütteln. Das war’s. Eigentlich easy, doch im Gefecht der Rythmen und Bässe wird es im Laufe des Spiels ganz schön knackig immer den richtigen Kreis zu treffen um so eine möglichst gute Wertung zu bekommen.

Die Plastik-Maracas sind mit einer Sensorleiste verbunden, die am Kopf einer Fußmatte befestigt ist, damit man weiß, wo man stehen muss. Mittels topmoderner Ultraschall-Technologie ermittelt die besagte Leiste nun, wie weit sich die Rasseln vom Boden befinden und können so bestimmen, ob man den unteren, mittleren oder oberen Kreis anvisiert.

SambaDeAmigoDC-0Dank der zuvor getätigten Körpergrößen-Einstellung im Menü funktioniert das auch überraschend genau. Wer nicht wie ein Pavian auf Speed herumhampelt, darf also nicht der Technik die Schuld am Vergeigen eines Musikstückes geben.

Die Songs sind allgemein bekannte Partyhits, wie „Samba de Janeiro“, „Soul Bossa Nova“ oder „Living la Vida Loca“, die eh schon Samba im Rythmusblut haben. Andere Evergreens wie „Take On Me“ von A-Ha liegen in einer augenzwinkernd verwursteten Rockversion vor. Keine überaus abwechslungsreiche Playlist, aber es handelt sich ja um ein Samba-Game! Vielleicht nicht das erste Musik-Reaktions-Spiel, aber aufgrund der partytauglichen Controller eines der originellsten. Coolerweise konnte man sich damals bereits weitere Songs aus dem Internetz herunterladen, im Jahre 2000 wohlgemerkt, als sich nur die sechs reichsten Könige Europas einen Internetanschluss leisten konnten! Nein, Blödsinn, aber Netzwerkfunktionen von Spielen waren damals tatsächlich neu und selten.

Tequila? La Bamba!

Die bunte, schnelle, abgefahrene Präsentation mit tanzenden Bären, Sternen und bunten Farbexplosionen vereint schräge Nippon-Ästhetik mit einem pulsierenden Hunter S. Thompson Drogentrip. Der affige Protagonist und die vibrierende Kulissen reagieren hier auf das spielerische Fuchtelvermögen des Spielers; versagen wir, werden Sound und Umgebung langsam, farblos und träge – Eintönigkeit macht sich breit. Bei erfolgreichem Gerassel legt Samba De Amigo aber richtig los und ballert ein Feuerwerk auf die Synapsen des arglosen Zockers los, das sich gewaschen hat – Farbrausch delüxe!

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Segatypisch gibt es noch ein paar kleine Minispielchen, die mal mehr, mal weniger witzig Gebrauch der Maracas machen, aber dem Hauptspiel einfach nicht das Wasser reichen können. Generell könen bis heute wenige, digitale Partykracher mithalten, fragt sich nur warum? Weil Sega’s Sambaparty so einfach zu kapieren ist? Oder weil es an den animalischen Instinkt des Menschen appelliert, sich in feuchtfröhlicher Gesellschaft im wahrsten Sinne zum Affen machen zu wollen? Keine Ahnung, die Rechnung für einen saulustigen, geselligen Abend ist aber denkbar einfach:
Samba De Amigo + Besuch + alkoholische Getränke = BOMBE!!!

Wer noch eine Dreamcast sein Eigen nennt und Bock hat, sich und seinem Freundeskreis eine Extraportion Crazy mit körperlicher Ertüchtigung zu servieren, darf zum musikalischen Sega-Äffchen greifen, sofern man das Spiel samt funktionierendem Maraca-Controller ergattert kriegt. Die Anderen dürfen zur 2008 erschienenen Wii-Version greifen, die zwar Rassel-Aufsätze für zwei Wiimotes mitbringt, aber ansonsten wenig des Charms der Originalversion bietet.

So oder so;
Rasselt drauf los, Rasselbande!
Ollisambaba 😉

Testfazit 16 - Pos Neg - A
Pur destillierter Spielspaß

Einfach zu handhaben

Abgefahrenes Erlebnis

Testfazit 16 - Pos Neg - B
Nicht für PS4 erhältlich

Testfazit 16 - fazitGrandioser Partyspiel-Klassiker, erstaunlich gut gealtert
und bis heute mit einzigartig bizarrem Charme. Samba!